Steinkreuze in unserer Heimat

In unserer schönen Thüringer Heimat stehen steinerne Kreuze unterschiedlicher Form und Größe. Sie sind in Ortschaften, an Straßen und Wegen zu finden und zeugen von der wechselvollen Geschichte unseres Landes. Es gibt eine Vielzahl von Anlässen, die zu ihrer Entstehung führte. Einige sind Sühne-, Unfall-, Gerichts- oder Mordsteine, andere wiederum wurden als Hagel-, Wetter-, Wallfahrer- und Opfersteine errichtet. Im Volksmund werden die steinernen Zeugen aus der Vergangenheit des Öfteren auch als Pest, Raben, Franzosen, Hussiten oder Hunnensteine bezeichnet. Sühnekreuze sind in unserer Gegend etwas seltener zu finden, man errichtete sie an Wegkreuzungen oder an dem Ort der Untat. Sie waren meist 2 Meter hoch und 1,50 Meter breit und entstanden im 12. bis 17. Jahrhundert.

steinkreuz_zellaIn der Vergangenheit wurden aus Unverständnis und Interessenlosigkeit viele solcher alten Denkmäler vernichtet. Andere gerieten in Vergessenheit. Oft ist aber solch ein Kreuz ein Hinweis auf die Entstehung des Ortes und man kann wichtige Erkenntnisse daraus ziehen.

Auch in unserer Gemeinde in den Ortsteilen Zella, Herschdorf und Friedebach sind diese interessanten Spuren aus der Vergangenheit zu finden. Urkundliche Aufzeichnungen über ihre Entstehung sind nicht vorhanden. So berichten nur Sagen und Geschichten von ihrer Errichtung.

Von dem Zellaer Steinkreuz ist leider nicht viel Wissen überliefert. Es stand im oberen Dorf an der Straße neben dem Mentznerschen Gartenzaun. Durch Neugestaltungen während der Dorferneuerung befindet es sich jetzt im grünen Bereich der Buswendeschleife. Im alten Zellaer Ortssiegel wurde es als Wahrzeichen geführt und ist offenbar schon sehr alt.

steinkreuz_herschdorf

Etwa 200 Meter östlich vor Herschdorf steht an der Ortsverbindungsstraße nach Pößneck der "Kreuzstein". Die Stätte, an der dieser nur etwa 70 cm hohe Stein mit einem eingehauenen, aufrecht stehenden Ritterschwert steht, ist nach 1870 untersucht worden. Dabei sind verschiedene Rüststücke eines Reiters zu Tage gefördert worden. Es scheint, dass der Stein ursprünglich weiter im Felde gestanden hat. Den genauen früheren Standort kann niemand mehr angeben.

 


steinkreuz_friedebachDas Steinkreuz von Friedebach steht im unteren Ortsteil direkt am Wege. In dem Buch "Sagen, Geschichten und Bilder aus dem Orlagau" ist folgender Bericht nachzulesen. "Die bittere Kriegsnot des Jahres 1640 war die letzte für das Heidedorf und das ging so zu: Verfolgt von kaiserlichen Reitern, war ein verwundeter schwedischer Hauptmann oder Oberst nach Friedebach gekommen. Wund wie er war und todmüde von dem Ritt den er gemacht, stieg er vom Pferde um im Schatten eines alten Birnbaumes ein wenig zu ruhen und seine Wunde mit dem frischen Wasser des Bächleins zu kühlen. Als er aber wieder auf das Pferd steigen wollte, war er dazu nicht imstande. Es überfiel ihn eine schwere Ohnmacht und einem Toten gleich blieb er in dem Grase am Wegrand liegen. Da traten einige Bauern, die sich mit den Ihrigen mit Hab und Gut in dem Bergwald geflüchtet hatten, oben aus den Bäumen heraus, um über das Tal Umschau nach den Feinden zu halten und zu erspähen, ob die Häuser des Dorfes noch stünden. Oh weh! Da unten graste das Pferd eines Soldaten! Sollten sie noch in der Nähe sein? Dann rasch zurück in den Wald! Aber es regte sich nichts, so sehr sie auch spähten. Sie hielten Rat, ob sie etwa des ledigen Pferdes sich bemächtigen sollten, und kamen zu dem Entschluss, es zu tun. Denn ein Pferd war damals eine seltene und gar teure Sache. Vorsichtig nahten sie sich dem Talgrund, um ihr Vorhaben auszuführen. Wie erschraken sie aber, als sie den schwedischen Hauptmann liegen sahen. "Ist er tot oder lebt er noch?" so fragten sie untereinander. Er musste wohl tot sein, denn ein Mann der nur eine Zeitlang ruhen wollte, suchte sich einen günstigeren Platz dazu aus. Sie traten also an ihn heran. "Er ist verwundet", sagte der eine. "Er atmet noch" rief ein anderer. Da machten sie sich über ihn und betteten ihn in den Schatten. Nach wenigen Wochen war der schwedische Hauptmann gesundet und ritt davon. Als Zeichen seiner Dankbarkeit hatte er an der Stelle, wo seine Wohltäter ihn aufgehoben, ein steinernes Kreuz errichten lassen. So oft auch schwedische Soldaten in das Tal einrückten kehrten sie um, sobald sie des Kreuzes vor dem Dorfe ansichtig wurden, ohne jemand Schaden getan zu haben. Heute noch steht es im Friedebacher Tal als ein steinerner Schutzbrief aus der schwedischen Not.

In unserer heutigen Zeit erfahren diese Steinkreuze wieder mehr Aufmerksamkeit. Sie berichten aus dem bewegten Leben unserer Vorfahren und erinnern an Begebenheiten, welche die Gemüter einst sehr bewegten. Diese Bodendenkmäler sind unwiederbringliche Kulturschätze und einzigartige Quellen der Geschichte unseres Landes.

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