Kirche Herschdorf

Kirche Herschdorf
Bildunterschrift: Kirche Herschdorf

Die Herschdorfer Kirche wurde Ende des 12. und  Anfang des 13. Jahrhundert erbaut. Einen wichtigen Hinweis auf das Alter erhielt man durch die typisch romanischen Ritzfugen im Außenputz. Bei Ausgrabungen fand man Grundmauern aus vorgermanischer Zeit. Für die damaligen Verhältnisse besaß die Kirche eine beachtliche Größe. Archäologen vermuten, dass unter den Herrschern der damaligen Zeit die Absicht bestand, die gesamte Gegend stärker zu besiedeln. Am Gebäude selbst endeckte man während der Restaurationsarbeiten ab 1998, ein zugemauertes Fenster und eine Tür. Das gab Aufschluss darüber, wie die Kirche im Laufe der Zeit umgebaut und verändert wurde. Anhand der Ausmaße fand man heraus, dass die ehemalige Tür der frühere Haupteingang des Gebäudes war.

Herschdorf AltarSehr interessant sind die alten Kindergräber, rechts des Altarraumes, die aus romanischer Zeit, ca. 12. Jahrhundert, stammen. Vereinzelt fanden sich auch Spuren alter Gruften. Was die Archäologen sehr verwunderte, war die Tatsache, dass man in der Kirche auch Kinder bestattet hatte. In einem Grab fand sich eine Totenkrone, die Kindern und Jugendlichen beigelegt wurden. Dieser alte Brauch war in Thüringen weit verbreitet. Im Kirchenschiff fanden sich Backsteingrüfte aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Durch ihren Bau wurden leider ältere, vorhandene Gräber zerstört.

Den spektakulärsten Fund machte man im Jahre 1999 bei der Trockenlegung an der Nordwand.  Ein Grab mit historischen Grabplatten aus hellgrauem Alabaster, vermutlich aus Krölpaer Gips. Die Restaurierung wurde an die Fachhochschule nach Erfurt übergeben. Anhand der Darstellung auf den Platten konnte man die Zugehörigkeit von Hans Otto von Etzdorf und seiner Gemahlin zum Adel erkennen. Im Jahre 1710 wurde die Familiengruft derer von Etzdorf angelegt und geriet im Laufe der Jahrhunderte in Vergesssenheit. Heute präsentieren sich die beiden wertvollen Grabplatten, wobei eine, als sie gefunden wurde, nur noch aus Einzelteilen bestand, vorbildlich restauriert den Besuchern.

Ein weiterer Blickfang der Kirche findet man in der Skulptur eines Taufengels von großer Qualität. Man kann erkennen, dass sie von einem ausgebildeten Schnitzer angefertigt wurde. Leider war kein Hinweis darauf zu finden, welcher Künstler diese Arbeit ausgeführt hat. Zwischen den Jahren 1707 und 1720 wurde dieser Taufengel an seinem Platz in der Nähe des Altarraumes aufgestellt. Es wird vermutet, dass der Gutsherr von Kunitz der Stifter gewesen ist. Der aus Lindenholz gefertigte Engel ist in seiner stehenden Art eher selten anzutreffen. Schwebende oder knieende Skulpturen sind häufiger in den Kirche zu sehen. Auch bei dieser Restaurierung wurde Wert auf die ursprüngliche Fassung gelegt. Wie der Taufengel, so haben auch zwei gotische Holzfiguren ihren Platz in der Kirche wiedergefunden. Diese Figuren, sie stellen Maria und einen Bischof dar, wurden in den Kirchlichen Werkstätten in Erfurt restauriert.

 

 

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